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Feb 14, 2014

Auf zum Schneider nach Umbrien

Maestro Trabalza, wie man ihn Tag um Tag in seinem Atelier sehen kann. ©Luigi Frappi
Die Piazza Silvestri, im Licht eines strahlenden Wintertags. ©Luca Di Ciaccio
Das historische Herz von Bevagna bezaubert jeden. ©Ho Visto Nina Volare
Das Schild des Antiche Sere, eines kleinen Restaurants mit vorzüglichen Austern. ©Umbria Lovers
Hier in Bevagna gibt es sogar eine Telefon-Strasse. ©Ho Visto Nina Volare
Der Eingang zur berühmten Schneiderei Sartoria Trabalza. ©Ho Visto Nina Volare

„Höchste Zeit, dass ich mir mal wieder einen neuen Anzug zulege. Katharina, könntest Du mich zu meinem Schneider begleiten? Ich möchte mir einen neuen machen lassen und vertraue Deinem guten Geschmack!“

Als mein Freund dann gestand, wo der Schneider war, schwand meine Lust. In Bevagna, eine kleinen umbrischen Städtchen. Entlegener geht es kaum, jedenfalls nicht von unserem Aufenthalt, in der Nähe von Siena. Ich überlegte Ausreden….

„Warum, um Himmels Willen, müssen wir so eine Weltreise unternehmen, Francesco? Nur weil Du was Neues zum Anziehen brauchst? Hier in der Toskana findet man auf Schritt und Tritt die berühmtesten Mode-Marken.“

„Aber das ist mein Lieblings-Schneider,“ antwortete Francesco mit verschmitztem Lächeln.  „Er ist einfach der Beste. Du wirst die Fahrt nicht bereuen, in Bevagna gibt es zufällig die schönste Piazza der Welt.“

Schließlich gab ich nach – schon aus lauter Neugier. Und so machten wir uns, mitten im Winter, auf nach Bevagna, einem verschlafenen Städtchen, mit weniger als 3000 Seelen. Es wurde von den Etruskern gegründet und liegt etwa 25 km südlich von Perugia, der Hauptstadt Umbriens. Wir nahmen die Straße entlang des malerischen Trasimenischen Sees, verzichteten auf einen Abstecher nach Perugia und steuerten schnurstracks nach Bevagna.

Sobald ich aus dem Auto stieg, war ich vollkommen gefesselt von der Szenerie, die sich vor meinen Augen ausbreitete. Nun verstand ich, warum Francesco den ganzen mühevollen Weg auf sich genommen hatte, um seinen Kleiderschrank aufzufrischen. Der Marktplatz war sicher der bezauberndste, den ich jemals in Italien entdeckt hatte, und an seinem Ende thronte der entzückende kleine Laden des Schneiders. Er nannte sich Sartoria Trabalza. Vor der Globalisierung hatte wohl jede italienische Kleinstadt solch einen Schneider, aber das ist lange her.

Während sich mein Freund von seinem Lieblingsschneider Maß nehmen ließ, erkundete ich das Städtchen auf eigene Faust. Ich stieß auf ein anderes kleines Geschäft, Tasselli Cashmere, und entdeckte eine Auswahl erstklassiger Strickwaren „made in Bevagna“. Auch mein Kleiderschrank konnte eine Auffrischung vertragen, und so gönnte ich mir einen kuscheligen neuen Pulli. Ich trage ihn heute noch!

Nach den anstrengenden Besorgungen waren wir hungrig. Es gab verschiedene  kulinarische Optionen, und wir einigten uns schließlich auf Antiche Sere, einem kleinen Restaurant auf der Piazza Garibaldi. Allen Fleischliebhabern kann man ein weiteres Restaurant ans Herz legen, Scottadito. Es gehört zur Marcelleria Tagliavento, der berühmtesten Metzgerei der Gegend.

Übrigens sind Bevagna und ganz Umbrien Schauplatz vieler Festivals und Feierlichkeiten. Wer sich einen Überblick darüber verschaffen möchte, was wo zu welcher Jahreszeit stattfindet, dem sei  Umbria on The Blog empfohlen. Rebecca Winke, eine Amerikanerin, die Umbrien wie ihre Westentasche kennt, bloggt dort die englische Version.

Ob der Schneider in Bevagna nun reich ist oder nicht, habe ich noch nicht herausgefunden.

Aber er ist wirklich gut!

Bis bald,

 

Katharina's Italy