Ein toskanisches Vorkriegs-Tagebuch …

Es ist der 1. April, 1939. In Europa zieht das Gespenst eines nahenden Krieges auf. Iris Origo, irisch-amerikanische Schriftstellerin, Philantropin und zudem Besitzerin des Gutes La Foce im Val d’Orcia, schreibt folgende Worte in ihr Tagebuch.
„Chamberlains Bemerkung über Polen wurde von der Presse mit unerwarteter Zurückhaltung quittiert, von Privatpersonen jedoch mit einiger Begeisterung – als könnte Hitler damit gebremst werden.
Einer unserer Nachbarn (ein kleiner Bauer, schon etwas älter, klug und vernünftig) war gerade zum Mittagessen hier gewesen. Er ist verärgert über Mussolinis Aussage, der Frieden sei eine “Bedrohung der Zivilisation“. „Und was ist mit Schweden und Norwegen?“ meint er. „Sind sie nicht zivilisierter als wir? Glücklicher?“
Das kam unerwartet, vor 5 Jahren hätte er das vermutlich nicht gesagt. Er meinte, all seine Pächter, genau wie die unsrigen, seien tief besorgt.“

Iris Origo (1902 – 1988) hinterließ Memoiren, Essays und Biographien. Zu ihren bekanntesten Werken zählen ihre Erinnerungen, Goldene Schatten, die Biographie Datinis, Im Namen Gottes und des Geschäfts, und ihr Toskanisches Tagebuch , ihre Aufzeichnungen über die Jahre des Krieges, über das wir bereits berichtet haben.
Das obige Zitat jedoch stammt aus einem anderen Tagebuch, das erst kürzlich entdeckt und erst letztes Jahr veröffentlicht wurde. A Chill in the Air: An Italian War Diary 1939-1940.

In diesem Werk lernen wir Iris Origo einmal wieder als die scharfsinnige Analytikerin politischer Veränderungen kennen. Elegant und klug geschrieben, so das Fazit einer ausgezeichneten Kritik im New Yorker , ist A Chill in the Air vielleicht nicht die übliche Ferien-Lektüre, doch die Dokumentation schleichender Veränderungen liest sich auch in unseren Tagen erstaunlich relevant und regt zum Nachdenken an. Eine Mahnung, wie schnell etwas in dieser Welt aus dem Ruder laufen kann.

Am 20. Juli 1939 schreibt Iris: ”Komme gerade vom Tee mit einigen charmanten Anti-Faschisten, den Braccis. Sie – und all ihre Freunde – sind sehr pessimistisch, was den drohenden Krieg betrifft und sehen die Euphorie der Faschisten als Propaganda oder Wunschdenken. Contessa Bracci hat zwei Söhne im Alter von neunzehn und zweiundzwanzig, sie ist sehr niedergeschlagen. „Es wäre schon schlimm genug, wenn sie für etwas kämpften, an was sie glauben. Aber jetzt müssen sie für etwas kämpfen, was sie zutiefst verachten…“

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